Englischer-Koenig-230

Bohu­mil Hrabal
» Ich habe den eng­li­schen König bedient

Autor:Bohu­mil Hrabal (?SSR, 1988)
Titel:Ich habe den eng­li­schen König bedient
Aus­gabe:Suhr­kamp 1988 / Über­set­zung Volk & Welt, Ber­lin 1977
Über­set­zung:Karl-Heinz Jähn
Erstan­den:Buch­hand­lung Volk, Recke
Gele­sen im:Lite­ra­tur­club Hopsten

Englischer-Koenig-330

Mühe­los von Sujet zu Sujet sprin­gend, erzählt Hrabal Leben und Kar­riere eines tsche­chi­schen Kell­ners wäh­rend und nach der Nazi-Beset­zung der CSSR. Inmit­ten von Restau­rant- und poli­ti­schen Stür­men, stets vom eige­nen Hotel träu­mend, lernt er vom »Höhe­punkt eines Kell­ner­le­bens«, einst den eng­li­schen König (oder den abes­si­ni­schen Kai­ser) bedient zu haben. Mit ange­nehm erzähl­ter Ero­tik wird nicht gespart, sowie reich­lich Anspie­lun­gen, die aber ver­tiefte Kennt­nis tsche­chi­scher Geschichte vor­au­set­zen. Raf­fi­nierte Anmer­kun­gen zu deutsch­freund­li­chen, fra­ter­ni­sie­ren­den Tsche­chen. Die Macht fei­ner Klei­dung, Iro­ni­sie­rung des Ober­kell­ner­ge­ha­bes, skur­rile Hotels und Gene­räle, stän­dige kuli­na­ri­sche Gelage, Alle­go­rien auf die »bes­sere« Gesell­schaft, wie deren Umkeh­rung nach 1945. Die Gefan­ge­nen, die nun das Lager bewa­chen. Hru­bal zeigt, wie man mit der Spra­che durch die Geschichte glei­tet, als Schelm Poli­tik kom­men­tiert, erlebt aber auch die Poe­sie des in Schnee ver­sin­ken­den Lan­des, aber auch des Inne­hal­tens (S.284) eines Ein­sied­ler­le­bens: »…durch das Den­ken zu jener Ruhe zu kom­men, die einen davor bewahrt, vor der Ein­sam­keit davon zu laufen.«

Das ist kein »Stan­dard-Roman« son­dern ein Schel­men­ro­man, sprach­wech­selnd im 2. Teil, atem­be­rau­bend wit­zig erzählt, was jedoch genü­gend Fan­ta­sie­be­ga­bung beim Leser, aber auch Ver­ständ­nis für höl­len­schwar­zen Humor vor­aus­setzt. Eigent­lich nicht rezen­sier­bar, so irr­sin­nig, so schlau, so phi­lo­so­phisch, anmu­tig und fan­ta­sie­voll. Eine tsche­chi­sche Fabel, mit dem schwär­zes­ten Humor der Welt, selbst ange­sichts des Nazi-Holocausts.

 

Fan­tas­ti­sche Schwejkiade!

2020 rezensiert, ?SSR, Bohumil Hrabal, Büchergilde Gutenberg, Humor

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