
Tuula Karjalainen
» Tove Jansson – Die Biografie
| Autor: | Tuula Karjalainen (Finnland, 2013) |
|---|---|
| Titel: | Tove Jansson – Die Biografie |
| Ausgabe: | Urachhaus, 2014 |
| Erstanden: | Wieder ein schöner Fund im Pankebuch, Berlin |

Tove Jansson war mir aus Kindertagen schwach vertraut von den Mumin-Geschichten, die leider niemand in meinem heutigen Umkreis kennt. Später las ich »Die Puppenstube« (1973 Hinstorff Rostock), die »Tochter des Bildhauers« (gewidmet ihrem Vater) und (2014) voller Begeisterung »Das Sommerbuch«. Das war eine Perle eines skandinavischen Schärensommers, eine unkonventionelle Großmutter und ihre vorwitzige Enkelin: »Gibt es im Himmel auch Ameisen?« – Erst die sorgfältige Biografie von Tuula Karjalainen, offenbarte, welches Multitalent, welch’ unkonventioneller Mensch und welch’ mutige Frau Tove Jansson war, die vor 60 Jahren offen ihre Liebe zu Frauen lebte. Und das im engen Finnland, im sehr kleinen überschaubaren Finnland-Schwedischen-Kulturkreis – welch ein Mut, welch ein Selbstbewusstsein dieser attraktiven Künstlerin. – Illustratorin( Alice im Wunderland), Karikaturistin (mit Spott über Hitler und Stalin anno ’44!), Malerin, Dekorateurin, eine der allerersten Comic-Autorinnen (Text und Bild!), Schreiberin von Kinder- und Erwachsenenbüchern, Verfasserin von Theaterskripten (Regie durch die Freundin Vivica Bandler), auch TV – all das war diese äußerst bemerkenswerte Finnlandschwedin. Und frühe, kluge Sachwalterin der ganzen »Mumin-Kultur und Industrie«, zusammen mit ihrem Bruder, was aber sehr, sehr viel Zeit und Energie verschlingt. – Man erfährt viel über die Persönlichkeit der Tove und ihr Werden, die Wichtigkeit von »Ham« und »Faffan« (Kosenamen der Eltern), aber auch den Konflikt zwischen der »linken« Tove und ihrem »weißgardistischen« Vater. Wie wichtig ihr – immer auf der Suche nach dem Paradies – das eigene Atelier, das Haus auf der Schäre, die auch briefliche Freundschaft mit Eva Kinikoff und die endlich gefundene und lange gelebte Liebe mit Tuulikki Pietilä wird. Die interessanten finnischen Persönlichkeiten, mit denen sie Strecken ihres Lebenswegs teilte, machten mir auch klar, wie wenig ich bis jetzt – trotz Pankebuch! – über finnische Kultur(historie) weiß. Schon das ist ein Verdienst, dieser sehr kenntnisreichen Biografie, dass sie darauf so viel Appetit weckt. Natürlich gehört dazu auch der Reichtum der vielen Mumin-Geschichten, der Bilder, ja der Mumin-Universen! Wozu die finanziell attraktiven aber erschöpfenden 7 Jahre der Mumin-Comicserie im britischen Evening Standard gehören. Wo Tove die vielleicht erste Autorin war, der ein »nahtloses Miteinander von Wort und Bild« in ihren Comics gelang (naja, man müsste wohl auch Carl Barcks nennen :-). Die Diskussionen um »politische Kunst« und ihre Haltung dazu, und ihr nicht mehr geglückter Anschluss an neue Stilrichtungen wie »abstrakte Kunst«.
Ein wenig kurz erscheint der Abschied Tove (und »Tooti’s«) von der Welt, was mir schon bei der großartigen Munch-Biografie A. Næss’ aufgefallen war – drückt man sich als Biografie um diesen eher wenig strahlenden Lebensabschnitt von Künstlern? Merkwürdig auch Karjalainens Rezeption des Sommerbuchs, viel zu sehr unter Biografieaspekten gesehen. Trotz leichter Kritiken, für jeden Finnland- und Kulturfreund:
Sehr Lesenswert
2017 rezensiert, Comic, Finnland, Mumins, queer, Tove Jansson
