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hillary

Sir Edmund Hil­lary
» Wer wagt, gewinnt

Autor:Sir Edmund Hil­lary (Neu­see­land, 1975)
Titel:Wer wagt, gewinnt
Aus­gabe:Gus­tav Lübbe Ver­lag, 1976 
Erstan­den:Im Land­buch­han­del Kross, Bippen

hillaryDas Tier­chen »Aben­teu­er­li­te­ra­tur« in mir braucht ab und zu etwas Fut­ter. Dies­mal in Form von auto­bio­gra­phi­schen Noti­zen des Neu­see­län­der Aben­teu­rers, Bie­nen­züch­ters und Berg­stei­gers, Sir Edmund Hillary.

Der gemein­sam mit dem Nepa­le­sen Sherpa Ten­sing Nor­gay den Mount Ever­est 1953 erst­be­stie­gen hat – und wie er das geschafft hat. Und schon dadurch sym­pa­thisch wirkt, dass ihn der ganze danach aus­bre­chende Rum­mel anwi­dert und er auf jede noch so agres­sive Frage »Wer war der erste auf dem Gip­fel« die stoi­sche Ant­wort gibt: Ten­sing und ich waren gemein­sam oben.

Das alles ist in einer Art bri­ti­schen Under­state­ment erzählt, so wie der Autor ver­mut­lich auch den ers­ten gelan­de­ten Mars­men­schen zum Tee bit­ten würde. Gera­dezu bei­läu­fig schil­dert Sir Edmund seine berg­stei­ge­ri­sche Kar­riere und das Glück in einer vom 2. Welt­krieg weit­ge­hend ver­schon­ten Region gelebt zu haben. Aber auch über sei­nen Mut zum Risiko, ohne den Gip­fel­siege und die erfolg­rei­che Süd­pol-Expe­di­tion nicht mög­lich gewe­sen wären. Der einer­seits als Com­mon­wealth Mit­glied sehr stolz auf das Mut­ter­land ist, ande­rer­seits weder Brite und schon gar nicht Aus­tra­lier ist und ein­mal pat­zig aus­bricht: »Wir sind Neu­see­län­der, keine [eng­li­schen] Gentlemen!«

Der sich mit viel Zivil­cou­rage öffent­lich gegen jed­wede Atom­bom­ben­ver­su­che aus­spricht. Und sich deut­lich erleich­tert über die Ablö­sung der kon­ser­va­ti­ven Regie­rung sei­ner Hei­mat zeigt.

Hil­lary weist eine lange Berg­erfah­rung aus sei­ner Hei­mat und Europa auf, erweckt den­noch nicht den Ein­druck eines abso­lu­ten Spit­zen­berg­stei­gers – oder liegt das an sei­nem Understatement?

Der aber große Stärke zeigt und beim Ever­est Erfolg rund 6,5 Std ohne Sau­er­stoff mit bis zu 30 kg Last in Höhen über 8500 m schleppt! Der nach der Rück­kehr Louise hei­ra­tet, die ihm gesell­schaft­li­che Ver­pflich­tun­gen abnimmt und Bücher für ihn schreibt. Sir Edmund, dem die USA, ihre Groß­mäu­lig­keit und ihre Ver­su­che, die ganze Welt mit dem Ame­ri­can way of life zu »beglü­cken« ein­fach auf die Ner­ven geht. Dass dort per­ma­nent an die nied­rigs­ten Instinkte der Men­schen appel­liert wird und der »Kon­su­mis­mus« die Men­schen dazu ver­führt, stän­dig Dinge zu kau­fen, die sie gar nicht benö­ti­gen. Der neben dem Hima­laya erfolg­reich in der Ant­ark­tis unter­wegs ist. Der sich für die Nepal-Erfolge mit der Grün­dung einer gan­zen Kette von dor­ti­gen Schu­len bedankt, aber gegen die hei­mi­sche Infra­struk­tur gerich­tete Pro­jekte erfolg­reich kämpft.

Und kon­sta­tiert, dass er vom Bie­nen­züch­ter, über Gip­fel­stür­mer, Expe­di­ti­ons­lei­ter, wil­dem Cam­ping mit der gan­zen Fami­lie in Aus­tra­lien und Fili­al­lei­ter eines gro­ßen Ver­la­ges, als Mann von Louise und Vater zweier Kin­der, ein­fach ein erfüll­tes Leben hatte. Über das er ange­nehm les­bar und schön bri­tisch unter­trei­bend, aber inter­es­sant berichtet.

Gut les­bar, nicht nur für Berg­stei­ger und Expeditionsfans

2017 rezensiert, Bergsteigen, Himalaya, Nepal, Neuseeland, Sherpas