
Sir Walter Scott
» The Heart of Midlothian
| Autor: | Sir Walter Scott (Schottland, 1818) |
| Titel: | The heart of midlothian |
| Ausgabe: | J. M. Dent & Sons LTD, London, 1908/1939 |
| Erstanden: | Ein Weihnachtsgeschenk - A Christmas present |

Another piece which shows Sir Walter to be one of the most gifted narrators of all times! Who else would be able to start a narration with at least five different introductions – and still come to the point?
The title is the (nick-)name of the ancient Scottish prison, called the Old Tolbooth, right in the heart of Edinburgh and therefore the center of Edinburgshire, one of the 32 council areas in Scotland; it was originally published as »Tales from my Landlort, II«. – It tells the story of a poor but resolute Scottish rural maiden, Jeannie Deans. She marched across the whole of the British isle to the faraway capital London, trying to save the life of her sister Effie, accused of child murder, which was then (temporarily) under capital punishment. Effie was in prison at the time of the historical Porteous riots, when the people of Edinburgh stormed Old Tolbooth to lynch a Captain accused of exaggerated force against the towns burghers. This matter as well as that of Jeannies sister shows an already well developed legal system, no wonder, as the author (Scott) was a barrister. At the same time the omnipresent tensions between Scots and Englishmen play their role. Especially within the figure of Scotch Duke of Argoyle, politician in London who helps the rural maiden to pledge for her sister to Queen Caroline. For this he earns an original Scottish Dunlop cheese, of which Jeannie is a master in producing.
Scott creates very lively pictures of the life of Edinburgh burghers, the simple maid Jeannie, her far too religious father, her complicated own love, the consequences of the prison riots and the English attempt to set a warning example against riotous Scotsmen.
The Scottish dialect often used by the common people (»I hae forgotten my spleuchan-Lachlan, gangdown to the Clachlan, and bring me a pennyworth of twist«) creates an important part of the original atmosphere – but drives non English readers to despair sometimes.
An adventourus, humorous historical journey in Old Scotland and England in the early 18th century – one more of Scotts tales and:
literature at its finest

Mit diesem Buch festigt Sir Walter bei mir den Ruf eines der begnadetsten Erzählers der letzten 300 Jahre. Beispiellos, wie er trotz mindestens fünf verschiedenen Einleitungen aus einem Knäuel von Geschichten den Erzählpfad findet. Den Titel gibt der Spitzname des alten Gefängnisbaus (Old Tolbooth) aus dem Herzen von Edinburgh und dem council Midlothian, das gleichzeitig Parlament und Justizministerium beherbergte (bis 1817). Es ist die Geschichte eines armen, einfachen aber äußerst couragierten schottischen Landmädchens, Jeannie, die den Fußmarsch (!) nach Süden in die weit entfernte britische Hauptstadt London nicht scheut, um das Leben ihrer wegen Kindsmordes zum Tode verurteilten Schwester Effie zu retten. Die sitzt im Gefängnis und wird so in eine historisch verbürgten vehementen Knaststurm (the Porteous riots, 1736) hineingezogen, den aufgebrachte Edinburgher vollzogen, um ein vermeintlich aufgehobenes Todesurteil gegen den Armeeoffizier Porteous zu vollstrecken, der wegen übertriebener Härte dort saß.
Eine Angelegenheit, die – wie die angestrebte Begnadigung Effies – viel über ein entwickeltes (schottisches) Rechtssystem und Empfinden verrät, in das auch Exkursionen unternommen werden – schließlich war Scott »called to the Bar«, also aktiver Rechtsanwalt. Gleichzeitig spielen immer wieder die Spannungen Schotten/Engländer herein, auch deutlich in der Situation des schottischen Herzogs von Argyle und Greenwich, Parlamentsmitglied, erfahrener Offizier mit manngifaltigen Verdiensten zum britischen Königshaus, gerade beim Königshaus schlecht angesehen. Der Jeannie trotzdem eine Audienz bei der Königin Caroline verschafft, womit Jeannie letztlich ihr Ziel erreicht, wenn auch anders als geplant; wobei ihr eine Empfehlung eines Cromwell-Nachfahrens (!) erheblich hilft. Jeannie entgeltet ihm das mit dem von ihm geliebten echtem schottischem Dunlop Käse, Schotten halten in der Fremde eng zusammen!
Scott schafft es das Leben und die Situation Jeannies, der Bürger Edinburghs, Jeannies extrem religiöser Vater (Cameronian), ihre schwer zu erfüllende Liebe, bedrängt vom Landbesitzer und den hochnotpeinlichen Folgen des Gefängnissturms, ein (englisches)Exempel soll mal wieder gegen diese aufrührerischen Schotten statuiert werden, unglaublich lebendig werden zu lassen. Deutlich die sozialen, mentalen, intellektuellen Abstände der armen Jeanne ebenso wie die sprachlichen. Ihr schottischer Dialekt (»I hae forgotten my spleuchan-Lachlan, gangdown to the Clachlan, and bring me a pennyworth of twist«)macht es dem nicht-englischen Leser trotz eines guten Vokabelverzeichnis das Verständnis nicht immer leicht, gehört aber unabdingbar dazu, um das historische Kolorit zu erfassen. Bei dem Jeannie deutlich geraten wird ab Mittel-England und speziell in London nicht mit ihrer provinziell-ländlich wirkenden Kleidung aufzutreten.
Jeannie kämpft sich durch, gegen den extrem kirchenstrengen Vater, mit minimalem Reisegeld, im Wissen um den Oberschicht-Tunichgut, der ihre Schwester verführt hat (und wohl einer der Anführer des Tolbooth-Sturms war), den sie aber nicht denunziert. Von Strassenräubern bedroht und entführt, denen sie aber mittels der tollen Gestalt (nach historischem Vorbild) der zigeunerhaften Madge Wildfire (die mit dem lauten Absingen schottischer Lieder eine Festnahme vereitelt) entkommt. Der urige Captain Duncan und seine Highland-Truppe, es ist eine echte Abenteuerreise im alten Schottland zu Anfang des 18. Jdhts.
Auch wenn die Spannung erst nach dem 1. Drittel so richtig wächst, und man ein zu märchenhaft geratenes Romanende findet: Ein seltener Erzählzauber strömt dieses Werks Scott wiederum aus, das den Leser mit aller Macht in eine so fremde, so vergangene und dennoch faszinierende Welt versetzt – was für ein begnadeter Erzähler mit diesem Werk.
Literatur vom Feinsten!
2017 rezensiert, Edinburgh, England, Gefängnis, Highlands, Schottland, Sir Walter Scott
