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Mahler

Karl Schu­mann
» Das kleine Gus­tav Mahler Buch

Autor:Karl Schu­mann (Öster­reich, 1972)
Titel:Das kleine Gus­tav Mahler Buch
Aus­gabe:Resi­denz Ver­lag Salz­burg, 1972
Erstan­den:Anti­qua­risch vom Land­buch­han­del Kross, Bippen

Mahler

Es ist weni­ger als eine Bio­gra­fie des Men­schen Mahlers, als ein Resu­mée sei­nes musi­ka­li­schen Schaf­fens, eine Musik­his­to­rie, für mich als musik­be­geis­ter­ten Laien nicht immer ver­ständ­lich, macht aber nichts. Mahler, 1860 gebo­ren, eines von 12 Kin­dern, aus der deut­schen Sprach­in­sel Eylau, nahm früh das noch viel­fach gesun­gene Lied der Umge­bung, auch der mili­tä­ri­schen auf. Mit 10 Jah­ren erst­mals öffent­lich am Kla­vier han­gelte er sich nach der Aus­bil­dung in Wien über ver­schie­dene Kapell­meis­ter­pos­ten (Pro­vinz­städte, Leip­zig) zum Opern­di­rek­tor erst in Buda­pest und dann – mit der Zwi­schen­sta­tion Ham­burg – in Wien nach oben. Dort wird er spä­ter zum Chef der Phil­har­mo­ni­ker gewählt. Dabei tritt er, der Kar­riere wegen vom (kaum prak­ti­zier­ten) Juden­tum zum Katho­li­zis­mus über. Intri­gen jagen ihn in Wien aus dem Amt, das bringt ihn in die neue Welt, deren Gerad­li­nig­keit (gegen­über dem Wie­ner Intri­gen­stadl) er äußerst schätzt, auch hier wird er Phil­har­mo­ni­ker­chef. – Per­fek­tion und Prä­zi­sion (80 Pro­ben!) kenn­zeich­ne­ten seine Arbeit, dem Chor gewöhnt er die tra­di­tio­nel­len Schlam­pe­reien ab. Die roman­ti­schen Lie­der­zy­klen wer­den als Keime der 2. bis 4. Sym­pho­nie bezeich­net. Wäh­rend bei Beet­ho­ven der Chor den dra­ma­ti­schen Schluss­punkt setze, stehe die­ser bei Mahler oft am Anfang. Beide ste­hen für die Expan­sion der Sym­pho­nien, die ihrer­seits große Kon­zert­säle for­dern und neu­ge­baut in Wien, Ams­ter­dam, New York fin­den. Hans v. Bülow hat (Un)Sitten wie Essen, Trin­ken, Kommen/Gehen wäh­rend der Kon­zerte ver­bannt. Mahler ver­bin­det einen enge Freund­schaft mit Richard Strauß. – 1896 erscheint die 3. Sym­pho­nie, die »Natur im weitesten«als Thema hat, die Diri­gen­ten kapi­tu­lie­ren lange vor ihr. Mahler hei­ra­tet die 19 Jahre jün­gere Alma, die ihm die Begeg­nung mit der Lite­ra­tur und den bil­den­den Küns­ten ver­schafft und damit den Maler Alfred Rol­ler als Büh­nen­bild­ner (spä­ter Bild­ge­stal­ter für Max Rein­hardt). Es ent­ste­hen – auch im Zusam­men­hang mit dem Tod sei­ner 4-jäh­ri­gen Toch­ter 1897 – die »Rück­ert-Lie­der« (Toten­lie­der), sowie die hier sehr inter­es­sant beschrie­bene 5. Sym­pho­nie. Dann die 6., als Geheim­tip, als die 9. müsse man eigent­lich das »Lied von der Erde«sehen. Sein 1897 dia­gnos­ti­zier­tes Herz­lei­den, die mani­sche Über­ar­bei­tung des welt­weit erfolg­rei­chen Diri­gen­ten und »Frei­zeit-Kom­po­nis­ten« trei­ben die­sen in den frü­hen Tod 1911. Die 10. Sym­pho­nie bleibt unvoll­endet, fin­det aber in den heu­ti­gen Repro­duk­ti­ons­tech­ni­ken erst den ihr adäqua­ten Raum­klang. – Die Musik­ex­plo­sion nach 1910 mit Stra­win­sky, Schön­berg, Weber führt dazu dass man Mahler kaum hört,während der Nazi­bar­ba­rei sowieso nicht, erst in den 60ern und70ern (Bern­stein!) mit den Wie­der­ga­be­tech­ni­ken, die Mahler sich gewünscht hätte. – Der Autor macht das Dilemma des gro­ßen Kom­po­nis­ten über­deut­lich: Im Brot­be­ruf Kapell­meis­ter und Diri­gent konnte er sei­ner eige­nen Beru­fung nur in der Frei­zeit, in den Urlau­ben nach­ge­hen, Lied­werke und Sym­pho­nien nur unter gro­ßem zeit­li­chen und beruf­li­chem Druck ent­ste­hen las­sen. Eine Zeit­ta­fel und ein klei­ner Lite­ra­tur­nach­weis run­den das Büch­lein, das einem den Kom­po­nis­ten und seine Musik nahe­bringt, ab. Es gibt sprach­lich sicher Inter­es­san­te­res, aber lesens­wert ist es allemal.

Lesens­wert für jeden Freund klas­si­scher Musik

2017 rezensiert, Gustav Mahler, Komponist, New York, Philharmoniker, Wien, Österreich