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fallada

Hans Fal­lada
» Geschich­ten aus der Murkelei

Autor:Hans Fal­lada (Deutsch­land, 1938)
Titel:Geschich­ten aus der Murkelei
Aus­gabe:Auf­bau Ver­lag Ber­lin, DDR, 18. Auf­lage 1977
Erstan­den:Anti­qua­risch vom Land­buch­han­del Kross, Bippen

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Die Erfolge des gro­ßen Erzäh­lers Fal­lada (»Bau­ern, Bon­zen, Bom­ben«, »Jeder stirbt für sich allein«) dürf­ten all­ge­mein bekannt sein. Mit ein Grund, dass er einer der Autoren war, die mir meine Mut­ter beson­ders ans Herz gelegt hat. Da passte es gut, dass ich in der Bip­pe­ner Schatz­grube des Herrn Kross, die­ses Schmuck­stück der Kin­der­ge­schich­ten von Fal­lada fand. Eine unglaub­lich schön von Hans Ticha illus­trierte Aus­gabe des Auf­bau Ver­la­ges (in der DDR), in der Typo­gra­phie von Man­fred Damas­zyn­ski; diese Geschich­ten haben Verlage/Illustratoren immer zu klei­nen Kunst­wer­ken gereizt.

Da ist die Geschichte, wie das Mäus­chen Wackel­ohr die Katze und die Amei­sen über­lis­tete. Die Story vom Unglücks­huhn, ein­klas­si­sches Mär­chen­mo­tiv, quer erzählt. Die Geschichte vom ver­kehr­ten Tag, eine echte Quatsch­ge­schichte, die Fan­ta­sie­volle lie­ben. Oder der Mann, der sích furcht­bar über den Igel ärgerte, bis der ihm das Leben ret­tete. Die ver­wi­ckelte Erzäh­lung vom allzu nuscheln­den Peter und wie er damit auf­hört. Beson­ders schön, wie aus dem Fun­keln eines Sterns das kleine Brü­der­chen wird, das sich die Christa immer gewünscht hat. Das sehr fan­ta­sie­volle Mär­chen vom gol­de­nen Taler, sozu­sa­gen »klas­sisch«, mit einem ver­wun­sche­nem Prin­zen und zweien, die sich am Ende krie­gen. Die Geschichte vom »Husch«, den Zau­ber­müt­zen, dem star­ken dum­men Bär und dem schlauen Fuchs – zau­ber­haft. Oder wie am Ende aus der Freund­schaft zwi­schen Rat­ten und Men­schen nichts wurde. Viel­leicht die Krö­nung der als letz­tes gesetz­ten titel­ge­ben­den Geschichte mit den erträum­ten »Zusatz­kin­dern«, die immer hel­fen und dann ver­schwin­den, als die (ech­ten) Kin­der erst groß werden.

Auch wenn es schwer zu glau­ben ist, dass der fast sein Leben lang dro­gen­süch­tige Fal­lada so hei­ter unbe­schwerte Fan­ta­sie­ge­schich­ten für die mit Träu­men durch­setzte Welt der Kin­der schrei­ben konnte, dies Buch ist auch ein Beleg für einen ande­ren Fal­lada. Der viele der Geschich­ten zuerst mit den eige­nen Kin­dern »tes­tete«, die er in der titel­ge­ben­den Geschichte mit ver­ewigt. Ob er aber wirk­lich alle diese Geschich­ten für die eige­nen Kin­der geschrie­ben hat, möchte ich ange­sichts sei­nes »Lebens-Chaos«doch bezweifeln.

Es wäre aber nicht Fal­lada, wenn nicht der Schalk, Iro­nie, satire und man­che Alle­go­rie aus der »Erwachsenenwelt«aufblitzte. Wenn er nicht in vie­len Geschich­ten zeigt, wie kleine Lebe­we­sen sich gegen die Gro­ßen durch­set­zen. Und die Leser mit­ten in traum­hafte Fan­ta­sie­wel­ten ent­führt, wie es eben nur wirk­li­che Erzäh­ler vermögen.

fallada2Lesens- und lie­bens­wert und dar­über hin­aus ein ein­fach wun­der­schö­nes Buch.

Eine lite­ra­ri­sche und opti­sche Perle

2017 rezensiert, Aufbau Verlag, DDR, Hans Fallada, Hans Ticha, Kinderbuch