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Eyvind-Johnson

Eyvind John­son
» Erzäh­lun­gen

Autor:Eyvind John­son (Schwe­den, 1923-1954)
Titel:Erzäh­lun­gen
Aus­gabe:Hinstorff, Rostock/DDR, 1974 
Erstan­den:Bestand aus alten (DDR-)Zeiten

Eyvind-Johnson

In unse­ren Bücher­re­ga­len gibt es schon mal Über­ra­schun­gen: Da taucht in irgend­ei­ner Ecke auf ein­mal ein ech­ter »Oldie« auf. Vor lan­ger Zeit erstan­den, sollte immer mal gele­sen wer­den, immer wie­der zurück gestellt. Bis der Band wie­der­ge­fun­den wurde, und holla: Hast Du noch gar nicht gele­sen, jetzt aber!

Hier geht es um eine typi­sche Aus­gabe vom Hinstorff Ver­lag aus Ros­tock, der in der DDR weit­ge­hend (aber nicht voll­stän­dig) für Lite­ra­tur aus den skan­di­na­vi­schen Län­dern zustän­dig war. Und damit Per­len aus dem Nor­den publi­zierte, die von den west­deut­schen Ver­la­gen weit­ge­hend igno­riert wurde. Was sich erst deut­lich nach der Wende änderte. So dass wir heute man­chen gro­ßen Skan­di­na­vier dop­pelt haben, z.B Axel San­de­mose oder Terje Veesas. Ein­mal in einer alten Hinstorff-Aus­gabe und zum Zwei­ten von Ver­la­gen wie Gug­golz (aus Ber­lin) oder Klein­hein­rich. Deren Aus­ga­ben oft so schön sind, dass ich nicht wider­ste­hen kann und sie zusätz­lich in die Regale stelle.

Und irgend­wann dann ein­mal beginne, die Über­set­zun­gen zu vergleichen …

Eisen­bah­ner­zäh­lun­gen …

Ein Band von 18 Erzäh­lun­gen des schwe­di­schen Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­gers von 1974, in denen die Ver­än­de­run­gen des Lebens im Lande durch die Eisen­bahn (John­son lebte von 1900-1976) eine große Rolle spielt. Wo aber auch die Schein-Neu­tra­li­tät Schwe­dens im 2. Welt­krieg gegei­ßelt und die Soli­da­ri­tät der Arbei­ter­be­we­gung hoch­ge­hal­ten wird.

Zau­ber­haft, wie ein Mehr­fa­mi­li­en­haus die Stra­ßen­mu­si­kan­ten erlebt, jeder für sich, jeder anders. Ein­drucks­voll mit fei­ner Beob­achtung des All­tags, wie die Eisen­bahn das Leben im Norr­land ver­än­dert, vor allem ent­lang der Stre­cke – wer kennt heute noch den Beruf des Bremsers?

Ein Stück über die Schein­idylle auf einer Ost­see­schäre; dann eines über grie­chi­sche Sagen­ge­stal­ten – gegen den Strich gebürs­tet – ohne Men­schen auch keine Götter.

Hef­tig die Geschichte, des eins­ti­gen »Tunicht­guts«, der nur Rei­sen wollte und zum Selbst­mör­der wird.

John­son führt eine direkte, schwe­disch-nüch­terne, gera­dezu non­cha­lante Spra­che, die All­täg­li­ches ver­schönt. In der Summe für mich etwas »leicht«, also wenig nach­hal­tig in Erin­ne­rung bleibt. Aber eine sehr locker les­bare skan­di­na­vi­sche Lek­türe, nicht so her­aus­ra­gend, aber schlicht

emp­feh­lens­wert!

2016 rezensiert, Eisenbahn, Hinstorff Verlag, Norrland, Schweden, schwedische Neutralität