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Meister-Breugnon

Romain Rolland
» Meis­ter Breugnon

Autor:;Romain Rolland, (Frank­reich, 1919
Titel:Meis­ter Breugnon
Aus­gabe:Coron Ver­lag Zürich, limi­tierte Aus­gabe für den Kreis der Nobel­preis­freunde, lfd. Nr. 15
Erstan­den:Anti­qua­risch
Meister-Breugnon
Eine beson­dere Ausgabe …

Nach den Meis­ter­wer­ken »Johann Chris­tof« und »Die ver­zau­berte Seele« (gele­sen im Jan/Feb 2016) kommt hier ein völ­lig ande­rer Rolland. Ein Huma­nist, Frie­dens­kämp­fer, erbit­tert von allen Natio­na­lis­ten ange­fein­det, der 1915 den Nobel­preis für Lite­ra­tur erhielt, der ihm wegen des 1. Welt­kriegs erst spä­ter über­ge­ben wer­den konnte. Wor­auf die Vor­worte die­ser sehr spe­zi­el­len Aus­gabe, dar­un­ter eines von Ste­fan Zweig, ein­gehen. Dazu über Leben und Werk Rollands (von Henri Petit) und oben­drein eine umfas­sende Biblio­gra­fie, all das zeich­net diese spe­zi­elle Edi­tion für die Nobel­preis­freunde zusam­men mit der hohen hand­werk­li­chen Qua­li­tät des Buches aus.

Es ist die Geschichte des Lebens des eigen­wil­li­gen bur­gun­di­schen Schrei­ners Breu­g­non, der das Holz, den Wein, das Es­sen ganz beson­ders und das Leben liebt. Das ist ver­fasst im Stil einer gro­ßen Schnurre, der nicht immer leicht zufol­gen ist. Aber es ist ein fröh­li­cher Geselle, der Breu­g­non, der sei­nen Enkeln die Geschich­ten sei­nes Lebens erzählt. Es ist auch ein Sit­ten­ge­mälde des Lebens des klei­nen Bür­ger­tums in der fran­zö­si­schen Pro­vinz, eine Schnurre aus dem 16./17. Jahr­hundert, der genie­ße­ri­schen Exis­tenz des Bild­hau­ers Breu­g­non im Bur­gund. Es ist ein Leben mit gar­gan­tu­es­ken »Fres­se­reien«, zwei Mahl­zei­ten in 3 Stun­den, sel­ten ward ein Fest­mahl der­ma­ßen beschrie­ben wie hier. Aber auch ein mit­un­ter kla­mauk­haft rebel­li­sches Leben, quer kom­men darf die Obrig­keit dem bur­gun­di­schen Bür­ger weni­ger. Es ist ein Meis­ter Breu­g­non, dem nackte Bäume (Holz !) min­des­tens so ero­tisch sind, wie Frauen, mit dem schö­nen Satz: »Wir lie­ben nur das von Her­zen, über das wir auch von Her­zen lachen kön­nen.« Der 35 Jahre spä­ter von einer frü­hen Liebe träumt, schwärmt, sie wie­der­sieht, schwer vom Leben gekenn­zeich­net. – Bewe­gend wie der Tod der gelieb­ten Frau und die schwere Krank­heit der Kin­der ihren Aus­druck fin­det, die Söhne, so nah, so fern und doch blei­ben sie all­zeit seine Kin­der. Der Meis­ter, der Ver­nich­tung und Plün­­­derung von Haus und Heim mit unver­wüst­li­cher Seele über­lebt und resü­miert: »Jetzo mache ich mei­nen Jah­res­ab­schluss und stelle fest, dass ich … alles ver­lo­ren habe… Aber das Ver­gnüg­lichste ist, da wenn ich jetzo am End meine Waage auf­stelle, da finde ich mich ebenso reich wie vordem!«

Rolland-Vorsatz
… wie man hier sieht! Anti­qua­ri­sche Bücher haben man­che Vorteile.

Dies ist ein völ­lig ande­rer Rolland als im Johann Cris­tof, der ver­zau­ber­ten Seele und den Musikerbio­grafien, nicht so mein Ding und viel­leicht bes­ser im fran­zö­si­schen Ori­gi­nal zu lesen – wohl dem, der’s sprach­lich kann.

Spe­zi­elle Lektüre!

2016 rezensiert, Burgund, Frankreich, Romain Rolland