
Michail Sostschenko
» Das Himmelblaubuch
| Autor: | Michail Sostschenko (UdSSR, 1935) |
| Titel: | Das Himmelblaubuch |
| Ausgabe: | Rütten & Löning, Berlin, DDR, 1973 |
| Erstanden: | Antiquarisch vom Landbuchhandel Kross, Bippen |

Dies ist der Mittelteil einer dreibändigen Reihe von sehr zu Unrecht fast vergessenen satirischen und unter Anregung von Maxim Gorki entstandenen Erzählungen des Leningrader Erzählers Sostschenko. Auch für mich »russophilen« eher ungewohnte Töne, in teils entfernt an Bulgakow erinnernde Erzählungen.
Das beinhaltet Novellen über alte Lebensweisheiten (Geld regiert die Welt, selbst noch in der SU=Sowjetunion), Schnurren, Geschichten von der Habgier, mit der man paradoxerweise Leben retten kann.
Viele spöttische Blicke in den menschlichen Alltag der Sowjetunion, so von der kommerziellen Liebe, nicht so wie früher, aber ein bisschen. Ehen aus Berechnung – vieleicht ein Problem der damaligen SU? Geschichte, ungeheuer gegen den Strich gebürstet, die wahre Grausamkeit der Herrscher, der Kirche, der Zaren, der Papst, der das Abendmahl Heinrich VII vergiften ließ. Absolut respektlose Betrachtungen über die Despoten der Jahrtausende, die ihr Fett gründlich abbekommen. Besonderer Spott gegenüber der dunklen Vergangenheit der Kirchen. Dann raffiniert erstellte Stücke über die »Arglist«, wobei die Übersetzung wohl eher die menschliche Gemeinheit gemeint hat.
Philosophische Exkurse: Soll man sich im Alltag bequem einrichten, oder für Veränderungen kämpfen? Von Dichtern und Philosophen, die (in Griechenland) Sklaven waren; wie mies große Schriftsteller behandelt wurden. Dann wieder ein sehr spöttischer Blick auf die sowjetische Erziehung und ihre Zukunft in 20 Jahren. Stolz auf sowjetische Errungenschaften und die Frage: Soll der (Händler) am besten leben, der seine Kunden am besten über den Tisch zieht, oder derjenige, der einfach am besten arbeitet?
Dazu eher harmlose Histörchen über die sowjetische Bürokratie, oder Frauen, die sich aushalten lassen. Eine skurril-tragische Geschichte von einer versagenden Hausgemeinschaft – und und einem lebenden Leichnam. Und welche vom Schläger und Säufer, den der wachsende Wohlstand nicht bessert. Oft sind es leise, unspektakuläre Geschichten, die dennoch nachdenklich machen. Und der große Glaube, dass die Zukunft der Welt gut wird…
Manche interessante Begebung aus dem damaligen »sozialistischen« Alltag, die satirische Geschichte des Händedrucks, Sotstschenko kann Kleinigkeiten groß erzählen.
Mit leichter, mitunter allzu leichter Feder geschrieben, sehr locker zu lesen, zur Hälfte witzig, unterhaltsam und lehrreich, aber vielfach verflachend zum leichten Geplauder.
Als ungewohnte und nur stellenweise verstaubte und schon fast historisch anmutende Lektüre auf jeden Fall
