
Alice Berend
» Bruders Bekenntnis
| Autor: | Alice Berend, (Deutschland, 1922) |
| Titel: | Bruders Bekenntnis |
| Ausgabe: | tredition classics, 2011 |
| Erstanden: | Antiquarisch erworben |

Die weitgereiste Autorin und Schwägerin von Lovis Corinth, Alice Berend, 1935 vor den Nazis nach Florenz geflüchtet, hat unter anderem schöne Bücher mit »Damals wars- Geschichten aus dem alten Berlin« produziert.
Hier haben wir eine relativ alberne Geschichte, die aus der Perspektive des Hundes »Bruder«, dem Dobermann des Senators Eberhaus, erzählt wird. Menschen sind Tiere, denen leider der Schwanz abhanden gekommen ist, dem Körperteil der universellen Verständigung, naja. In der Summe meist langweilig, eine überflüssige, dumme Hundeposse (sagt nicht nur meine Katze Leominka). Ursprünglich veröffentlicht bei Albert Langen 1922, vielfach wieder aufgelegt.
Höchstens für Hundefans
Nachtrag: Markanter als der Inhalt des Buchs war ein sorgfältig geletterter Zettel mit Daten zu diesem Buch, weitere »Ex-Libris«-ähnliche fand ich in anderen Lieferungen des Antiquariats, ebfs. zur Autorin Alice Berend. Die Eintragungen zu Werk und Autor waren vom Vorbesitzer, dem Berliner Juristen und Bibliophilen Prof. Dr. Dieter Lemhoefer, seinerzeit in Nikolassee ansässig. Lemhoefer war Mitglied des Berliner Bibliophilen Abend, einer Vereinigung von Buchliebhabern, -Sammlern, Bibliothekaren, Antiquaren und Buchhändlern; so z.B. die Berliner Buchlounge in Zehlendorf. Ich fühle mich im Geiste mit dem Vorbesitzer und Buchfreund Dr. Lemhoefer verbunden, seine Miniatureintragungen sind so schön, dass ich sie hier reproduziere.
Dieses »Ex-Libris« führt Leben und Werk von Alice Berend auf, der vervielfältigte schwarze Text wurde anschließend an bestimmten Stellen sorgfältig rot unterstrichen.
Mit diesem Notizzettel wird das Buch »Bruders Bekenntnis« der Berend belegt, unter sorgfältigster Angabe aller für Bibliophile wichtigen Daten, auch hier wieder penible, teilweise mit Rotstift, aufgeführte Unterstreichungen.
Eine Notiz zu Werken aus dem Antiquariat Waltraud Materne in der Berliner Pariser Str.14, unweit davon wohnte mein Bruder, die Straße (und der ganze Kiez) hat sich seitdem weitgehend verändert. Materne gab einen Katalog antiquarisch verfügbarer Literatur heraus, aus dem der Sammler Lemhoefer hier zitiert; ausnahmsweise ist der Text zum Teil maschinengeschrieben.

In diesen so akribisch notierten Informationen, geradezu ziseliert, mit 24 Zeilen auf nur 12cm Höhe, wird alles Wissenswerte zur Autorin, Werk (u.a. »Die Bräutigame der Babette Bomberling«), Ausgabe und dem Fund- bzw. Kaufort des Buchs auf Vorder- und Rückseite notiert; das Ganze wirkt schon vignettenartig. Auch die og. Buchhandlung mitsamt ihrem Antiquariat gibt es nicht mehr. Die Rheinstr. 58, nahe der Kaisereiche, in Berlin-Friedenau (Tempelhof-Schöneberg) beherbergt heute ein Dekorations- und Raumausstattungsgeschäft. Die Geschäfte auf der Rheinstr. wechseln schnell, wenn auch nicht ganz so schnell, wie auf dem Abschnitt zwischen Kaisereiche und Walther-Schreiber-Platz.
Man sieht, dass der in Nikolassee wohnende Sammler Lemhoefer in Berlin unterwegs war, um seine Schätze zu erweitern. Einlagen wie diese Notizen, Zeitungsausschnitte, Grußkarten, Notizzettel, alte Rechnungen u.v.m. sind oft das »Salz in der antiquarischen Suppe«, sprich ein willkommener Fund in so erworbenen Büchern.
Dazu gibt es noch Verlinkungen, Lemhoefer war unter aanderem Mitglied im BBA, Berliner Bibliophilen Abend und in der Pirkheimer Gesellschaft. Die im Text erwähnten Vignetten, die ich hier reproduzieren wollte, sind leider seit unsererem Umzug zurück nach Berlin verschollen 🙁
19. Jahrhundert, 2018 rezensiert, Alice Berend, Berlin, Damals wars
