Babette-Bomberrling-230

Alice Berend
» Die Bräu­ti­game der Babette Bomberling

Autor:Alice Berend (Deutsch­land, 1915)
Titel:Die Bräu­ti­game der Babette Bomberling
Aus­gabe:S. Fischer Ver­lag 1915
Erstan­den:Anti­qua­risch

Babette-Bomberrling-330

Auch diese Autorin war mit »Spreemann&Co« zwei­mal in der Sen­de­reihe des eins­ti­gen RIAS »Damals wars« ver­tre­ten, jedoch eher seicht, im Ver­gleich zur »Eis­rieke«.

Wie häu­fig in die­ser Serie spielt der Roman in der Ber­li­ner Mit­tel­schicht, etwa den 70er Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts. Die 17-jäh­rige Babette, ver­wöhnte Toch­ter des Sarg­fa­bri­kan­ten (!) Bom­ber­ling, soll hei­ra­ten, sonst will die Erb­tante ihr Geld aus dem ohne­hin gerade schlecht lau­fen­den Geschäft her­aus­zie­hen. Wo Vater’n doch dank des Rat des mit­ar­bei­ten­den jun­gen Vet­ters die simple Fabrik in den ers­ten »Begräb­nis­ser­vice« Ber­lins (also einen »Grien­ei­sen-Vor­läu­fer«) ver­wan­deln will.

Für Babette zieht bald ein leicht irrer Rei­gen poten­ti­el­ler Bräu­ti­game auf, auch dank der Hei­rats­ver­mitt­le­rin mit dem unaus­sprech­li­chen Namen Pryczs­bitzky-Rat­zo­ska. Das Ganze ist ein mokant-despek­tier­li­ches Sit­ten­bild einer bür­ger­li­chen Fami­lie, gleich­zei­tig auch eine amü­sante Humo­reske. Der Ber­li­ner Dia­lekt wurde übri­gens erst im Hör­spiel dazu genom­men, taucht im Buch sel­ber nicht auf, passt aber her­vor­ra­gend. Das gewinnt auch durch nahezu »Käs­t­ner­sche Lako­nie« und gemahnt an »Vor­läu­fer der »neuen Sach­lich­keit«, wirkt also kei­nes­wegs ver­al­tet. Dazu kom­men ver­rückte Diät­pläne der weni­ger reprä­sen­ta­blen Mut­ter, Hoch­stap­ler, der Fabri­kant, den das vor­nehme Getue sei­ner Frau nur nervt und eine am Ende über­ra­schende Wende zum Guten; sie machen das Ganze zur amü­sant-leich­ten Unter­hal­tung aus dem alten Berlin.

Leicht, aber nicht zu leicht, für Ber­li­ner und Fans der Stadt.

2018 rezensiert, Alice Berend, Berlin, Deutschland, Historisch, Verlag S. Fischer