Jahr: 2016

Daniil Gra­nin
» Die Spur ist sicht­bar noch

Granin stellt anhand der Schicksale der georgischen Ärztin Shanna und der ihr im 2. Weltkrieg bekannten sowjetischen Soldaten Boris und Sergej sowie ihrem Leutnant Anton dar, dass es den Beteiligten nahezu unmöglich wird, die damaligen Geschehnisse wirklich zu verarbeiten. Warum es sich auch heute, gerade heute lohnt dieses Buch von Granin, der 2014 im Deutschen Bundestag gesprochen hatte, zu lesen.

Gisela Stein­eckert
» Eines schö­nen Tages

Die Autorin ist eine wichtige Lyrikerin und hat unzählige Texte für Rockmusiker in der DDR geschrieben, sie mit geprägt. Texte, die sich durch Intelligenz und Lebensgefühl auszeichneten. Findet man das in diesem Band wieder?

E.T.A. Hoff­mann
» Das Fräu­lein von Scuderi

Die genial-romantisch erzählte Geschichte des besessenen Goldschmidts Cardillac, seiner Tochter und ihres Geliebten Olivier, ein Highlight in »altmodisch:lesen«. Wie dann durch das edle Fräulein von Scuderi eine Rettung in äußerster Not kommt, ist bemerkenswert.

Arno Schmidt
» Das große Lesebuch

Eine Sammlung äußerst unterschiedlicher Erzählungen des Autors, manchmal witzig, manchmanl schwer verständlich, oft mit Sprachartistik versetzt. Auch etwas Besonderes in meinem Literaturblog. Ist der Autor heute noch eine Bereicherung?

F. C. Delius
» Mein Jahr als Mörder

Dank der Übernahme der meisten Nazi-Juristen in den bundesdeutschen Staatsdienst wurden nach 1945 oft die Nazi-Opfer, nicht die Täter juristisch belangt. Einen Berliner Studenten empört dies derart, dass er beschließt, den ehemaligen Richter am »Volksgerichtshof« der Nazis, Rehse, als Sühne für dessen Taten umzubringen.

Atle Næss
» Edvard Munch

Eine akribische, fast monumentale Biografie aus Norwegen über den großen Maler Edvard Munch, die sehr viel Wert auf die Interpretation seiner Kunstwerke legt. Voll, geradezu übervoll an Details und Quellen, genussreich, lehrreich und unterhaltend.

Irm­gard Keun
» Das kunst­sei­dene Mädchen

Zu meinem Literaturblog »altmodisch.lesen« gehören auf jeden Fall Lesefavoriten meiner Mutter, wie dieser Band Aus dem Kleinstadt Tingel-Tangel bricht Anfang der Dreißiger des 20. Jahrhunderts eine junge Frau nach Berlin auf, aber nicht um als »Büromieze« zu enden. Ihr Leben zwischen geborgtem Ehebett und Parkbank schildert die Keun mit einer unglaublich nüchtern-nonchalanten Sprache, im Stil der Neuen Sachlichkeit.

Vera Inber
» Der Platz an der Sonne

Paris, Odessa, Leningrad, Moskau, Stationen der Dichterin Vera Inber, die im Stil zwischen Expressionismus und »Neuer Sachlichkeit« schreibt. Und erzählt, wie sie als alleinstehende Mutter ihre Talente in Moskau nach dem Sturz des Zaren entwickeln kann.